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Eindringen
in einen neuen Zahlenraum -
Exemplarische Behandlung der Zahl 6
Von
Gabriele Bauer und Silvia Lukarsch
Erschienen in MUP IV. Quartal 1989
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Vorbemerkungen
Bereits vor Schulbeginn besitzen die meisten Kinder eine Reihe von mathematischen
Kenntnissen und Fertigkeiten. Besonders Zahlen und der Umgang mit ihnen
üben auf das Vorschulkind eine besondere Faszination aus. Zum Beispiel:
Das Ablesen der Zahlen im Kalender, die Zahlenfolge auf dem Zifferblatt
der Uhr, der Umgang mit Spielwürfeln etc. Fast alle Schüler kennen dann
die Zahlwortreihe bis 10, sie geben die Anzahl der Elemente einer Menge
im begrenzten Zahlenraum an und viele Schulanfänger können bereits in einfachen
Problemen addieren und subtrahieren.
Der Erwerb der Zahlwortreihe beginnt schon im Alter von zwei bis drei Jahren
und ist meist im Alter von fünf bis sieben Jahren abgeschlossen. Dabei lassen
sich verschiedene Entwicklungsstufen unterscheiden:
Zunächst werden die Zahlwörter auswendig gelernt, die Zahlwortreihe erscheint
als eine unstrukturierte und oft willkürliche Liste. Das Aufsagen der Zahlwortreihe
bedeutet allerdings nicht immer, dass sie auch bereits zu einem problemlösenden
Instrument entwickelt ist. Es bedeutet auch nicht, dass von Schulanfängern
zählend gerechnet werden kann. Erst allmählich entdecken und entwickeln
die Kinder Regel-mäßigkeiten: Sie können mit den Realtionen - größer als,
kleiner als - umgehen, ordnen einer Zahl die richtige Nachbarn zu, und es
gelingt ihnen auch nach und nach das einfache Verdoppeln und Halbieren.
Gefördert durch Würfelspiele sind einige Mengenbilder abgesichert, diesen
werden schon bald die entsprechenden Ziffern zugeordnet. Für den Elementarlehrer
beseht eine wesentliche Aufgabe darin, diese Vorkenntnisse und Erfahrungen
der Kinder zu erkennen und in die Unterrichtsplanung einzuarbeiten. Besonderen
Wert muss er auf die Tatsache legen, dass gerade der Elementarschüler seine
geistigen Erkenntnisse und Einsichten auf konkreten Handlungen aufbaut.
(vgl.: Radtatz-Schipper, Verlag Schroedel, Hannover 1983, Seite 48ff). |
Vorschläge für die Erarbeitung des Zahlenbegriffes 6
Der erwartete Lernzuwachs des Schülers könnte in folgenden Zielen ausgedrückt
werden:
1. Der Schüler soll der Zahl 6 die entsprechende Menge zuordnen können.
2. Der Schüler soll im Zahlenraum 6 einen dynamischen Zahlbegriff aufbauen
können.
3. Der Schüler soll alle im Zahlenraum 6 möglichen Rechnungen formulieren
können.
4. Der Schüler soll das Erlernte selbstständig anwenden, sichern und üben.
Für die Erreichung des erstgenannten Zieles haben sich folgende Übungsmöglichkeiten
bewährt:
a) Jeder Schüler erhält ein Blatt kariertes Papier mit der Karogröße von
ca. 4 Zentimetern. Der Lehrer erteilt dazu den Arbeitsauftrag, sechs zusammenhängende
Käst-chen auszuschneiden. Es stehen jedem Schüler genügend Kästchen zur
Verfügung, um bei eventuellen Fehllösungen einen neuen Versuch starten zu
können. Misserfolgserlebnisse werden dadurch ausgeschlossen. Außerdem bietet
sich für den wendigen Schüler die Möglichkeit, viele verschiedene Lösungen
zu finden. Dadurch ist eine Differenzierung nach Ausmaß und Schwierigkeitsgrad
gegeben. Die an der Tafel gesammelten Sechserfelder haben für den schwächeren
Schüler Vorbildwirkung (s. Abb. 1).
Abb. 1
b) Eine andere, sehr reizvolle Möglichkeit ist es, je zwei Schülern eine
Schachtel mit Streichhölzern auszuhändigen. Aus dieser Streichholzmenge
nehmen die Schüler jeweils 6 Stück und legen dann Bilder zu dieser Zahl.
Der Hinweis, dass besonders gelungene Lösungen an der Tuchtafel gesammelt
werden, bietet für die Schüler den Anreiz, möglichst viele Variationen zu
finden (Abb. 2).
Abb. 2
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Vorschläge zum Aufbau des dynamischen Zahlbegriffs:
a) Natürlich bietet sich beim Zahlbegriff sechs ein einfaches Würfelspiel
an. Je zwei Schüler erhalten zwei Spielwürfel und würfeln damit gleichzeitig.
Sie überprüfen, ob die gewürfelten Augenzahlen zusammen sechs ergeben. Für
jede richtige Lösung darf mit Farbkreide die Ziffer 6 an die Tafel geschrieben
werden. Damit wird dem Bewegungsdrang entsprochen und gleichzeitig die erarbeitete
Ziffer 6 gefestigt.
b) Ein etwas komplizierteres Würfelspiel eignet sich für die Gruppenarbeit.
Jede Vie-rergruppe erhält einen Spielplan mit 6 leeren Doppelfeldern (Abb.
3).
Abb. 3
Die Schüler benötigen dazu einen Faserschreiber und einen Würfel. Die Spielregeln
werden genau besprochen:
Wer zeichnet die Würfelpunkte?
In welcher Reihenfolge wird gewürfelt?
Wer schreibt die passende Rechnung auf?
Zur Verdeutlichung beobachten die Schüler das Spiel einer Gruppe: Der erste
Schüler würfelt 3, das Würfelbild wird eingetragen. Der nächste Wurf zeigt
4. Jetzt muss die Gruppe erkennen, dass dieses Würfelbild in ein anderes
Doppelfeld eingetragen werden muss. Nun wartet die Gruppe vordringlich auf
eine 3 oder eine 2, um je ein Doppelfeld vervollständigen zu können. Wenn
es gelingt, wird die passende Rechnung (z. B. 3 + 3 = 6) unter das Doppelfeld
auf die Leerzeile geschrieben. Es kann natürlich auf dem Spielplan zu gleichen
Lösungen kommen, das ist ebenso gültig, wie ein unvollständiges Doppelfeld.
c) Eine weitere Möglichkeit ergibt sich aus der Verwendung von Dominosteinen.
Aus den mitgebrachten Dominosteinen sortiert der Lehrer jene mit der Augenzahl
7 und 8 aus und entfernt sie. Der Lehrer erläutert die neue Spielregel an
der Tuchtafel (Abb. 4).
Abb. 4
Die vorhandenen, restlichen Dominosteine werden auf zwei Schüler aufgeteilt.
Ein Schüler sucht einen Stein aus, sein Partner legt so an, dass die Summe
6 erreicht wird.
d) Für die folgende Übung benötigt der Lehrer Kartonkärtchen mit den Ziffern
0 bis 6. Jeder Schüler hat sie vor sich auf dem Tisch aufgelegt. Der Lehrer
verwendet als akustisches Signal einen Klangstab.
Abb. 5
Der Lehrer schlägt nun zum Beispiel zweimal auf den Klangstab. Die Schüler
zählen die Anzahl der Schläge und ergänzen auf 6. Das entsprechende Kärtchen
wird hochgehalten. Mit Hilfe eines Tamburins kann der Lehrer die Rückmeldungen
geben, die Schüler kontrollieren sich selbst. Während dieser Übung herrscht
angenehme Ruhe, die Kinder arbeiten intensiv und konzentriert.
e) Diese Zahlenkärtchen lassen sich auch für ein Spiel in der Klasse verwenden:
Der erste Schüler steht auf und hebt eine seiner Karten in die Höhe. Er
ruft einen Mit-schüler auf und dieser antwortet mit jenem Kärtchen, das
die Ergänzungszahl auf 6 zeigt. |
Formulierung von Addition und Subtraktion
Mit Hilfe dieses Übungsangebotes ist es für die Schüler einfach, alle möglichen
Additionen und Subtraktionen mit dem Ergebnis 6 zu formulieren.
a) Dazu kann vorrangig der Spielplan der Gruppenarbeit herangezogen werden.
Eine Gruppe formuliert zu einem vollständigen Doppelfeld die entsprechende
Rechnung. Um die Konzentration der übrigen Gruppen aufrecht zu erhalten,
kennzeichnen diese Schüler die genannte Rechnung mit einem Buntstift. So
ergibt sich aus der Auswertung der Gruppenarbeit ein übersichtliches Tafelbild.
Abb. 6
b) Für die optimale Durchdringung des Zahlenraumes ist es unumgänglich,
die Schüler auf mögliche Umkehrformen besonders hinzuweisen. Zum Beispiel:
2 + 4 = 6 fghddrtzrzretzerzeztrezerzezezez1
+ 5 = 6
4 + 2 = 6 fghddrtzrzretzerzeztrezerzezezez5
+ 1 = 6 |
Anwendung, Sicherung und Übung
Anwendung, Sicherung und Übung des Gelernten schließen die Arbeit ab.
a) Zur Aufrechterhaltung der Motivation bietet sich die Selbstkontrolle
an: Je eine Schülergruppe erhält 12 Kärtchen, die doppelseitig bedruckt
sind. Auf der Vordersei-te findet der Schüler eine Rechnung, die Rückseite
zeigt den Teil des Bildes. Aufgabe der Gruppe ist es nun, jene Rechnungen
auszuschneiden, die nicht sechs ergeben. Aus jenen Kärtchen, die verbleiben,
lässt sich ein Puzzle bauen (Abb. 7).
Abb.
7
b) Die gewonnene Einsicht in der Gruppenarbeit ermutigt die Schüler die
nachfolgende Einzelarbeit. Mit abwechslungsreichen Übungsformen wird die
Arbeit im Zahlenraum sechs abgesichert und eine solide Grundlage für das
Eindringen in einen neuen Zahlenraum geschaffen. |
Abb.
8
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Der Schüler stellt fest, welche Rechnungen sechs ergeben und malt das betreffende
Kästchen aus. |
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Abb. 9
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Durch das Ausmalen richtiger Rechenoperationen entsteht ein Wortbild. Der
Schüler kann sich schnell selbst kontrollieren. |
Abb. 10
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In diesem Turm wohnt die 6, und auch in jedem Stockwerk soll eine 6 zu Hause
sein. Die Schüler beginnen im Erdgeschoß mit dem Ergänzen auf 6 und erreichen
bald die Spitze des Turmes. |
Abb. 11
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Aus diesen Perlen lässt sich eine Kette fädeln. Die Schüler färben je zwei
Perlen an, die 6 ergeben, und notieren die Rechnung. Wenn alle Perlen bunt
sind, werden sie zu einer Kette zusammengehängt. |
Quellenverzeichnis:
Radatz/Schipper: Handbuch für den Mathematik-Unterricht an Grundschulen,
Schroedel-Verlag |
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