Rechnen im Kopf

Begründung und Motivation von Übungssequenzen im Mathematikunterricht

Begründung und Motivation von Übungssequenzen

Wie wichtig permanente Übungssequenzen sind, zeigt folgende Übersicht 1):

Kinder lernen die Syntax der Zahlen meist sehr leicht - beim Rechnen tun sie sich dagegen oft schwer. Selbst wir Erwachsene machen oft bei den einfachsten Rechnungen Fehler.
Heute wissen wir, dass das Kopfrechnen das menschliche Gehirn an seine Grenzen bringt. Wir haben zwar "ein Gefühl" für ungefähre mathematische Größen, aber kein Organ, das speziell für das Rechnen bestimmt ist. Unser Gehirn muss erst Schaltkreise dafür aufbauen.
Je schwieriger die Aufgaben werden, desto langsamer rechnen wir, konzentrieren wir uns stärker und desto häufiger irren wir uns.

Kaum ein Lernstoff wird so ausdauernd gedrillt wie die Additions- und Multiplikationstabellen. Trotzdem bleibt unser (durchschnittliches) Zahlengedächtnis bestenfalls mittelmäßig.
Warum lassen sich aber solche Aufgaben so schwer speichern?
Das menschliche Gedächtnis assoziiert automatisch bereits Bekanntes mit neuen Situationen, versucht Verbindungen herzustellen, was aber für das Rechnen Nachteile bringt. (Oft denken wir schon an die Zahl 6, wenn wir nur die Zahlen 2 und 4 - ohne Additionszeichen - sehen!)

Eine große Hilfe beim Auswendiglernen und Automatisieren von Rechnungen bietet das verbale Gedächtnis. Seit langem schon kennen und nutzen Pädagogen die gewaltigen Möglichkeiten, die das verbale Gedächtnis bietet.
Dieses Automatisieren mit verbaler Unterstützung hat offenbar zur Folge, dass das Kopfrechnen an die Sprache gebunden bleibt, in der es gelernt wurde.
Natürlich ist das verbale Gedächtnis aber nicht das einzige Hilfsmittel, welches unser Gehirn nutzt.
Gibt es Strategien wie das Umkehren von Rechenoperationen, das Abkürzen der Rechnungen durch geschicktes Rechnen, werden die meisten darauf zurückgreifen. Lassen Sie Ihre Schülern auch deren eigene Strategien - sofern sie sich damit keine falschen Rechenregeln einlernen. Wir greifen doch selbst oft auf solche zurück - tun uns damit leichter und rechnen schneller!

 

Warum diese Übungen?
Um bei Schülern die Bereitschaft zu erhalten, Übungen zu rechnen, ist vor allem wichtig, ihnen klarzumachen, welchen Sinn diese Übung hat. Dazu muss man sich als Lehrer Gedanken darüber machen, welches Ziel ich mit welcher Übung verfolgen möchte.
Ist eine Übung in spielerischer Form gestaltet, ist dennoch folgender Hinweis für die Einstellung der Schüler wichtig (Information durch den Lehrer):
"Ich habe heute eine Übung für euch, weil ich gemerkt habe, dass du/ ihr Defizite im Bereich des/ der ... hast/ habt. Wenn wir hier mit einer Übung ansetzen, können wir eine Verbesserung erzielen. Damit das Üben angenehmer wird, habe ich das Ganze spielerisch zu gestalten!"

Kündigt der Lehrer hingegen an: "Heute spielen wir!" und die Schüler erkennen (blitzartig), dass es sich trotzdem wieder nur um Rechnungen handelt, so ist die Einstellung zur Übung schlechter (demotivierender).

Anregende Gestaltung der Aufgaben:
Wie auch sonst oft, kommt es auch hier stark auf die "Verpackung" an. Dazu werden gerne spielerische Situationen verwendet.
Mathematische Spiele werden dann gerne von Schülern gespielt, wenn sie eine gute Mischung aus "Glücksspiel" (Erfolg nur von Glück abhängig, z.B. Würfelspiele) und "Wissensspiel" (Spiele, bei denen es auf den Verstand/ das Wissen ankommt) sind.

 

Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade
Untersuchungen zeigen, dass jene Aufgaben am meisten anspornen, die eine leichte(!) Tendenz zur Überforderung zeigen. Übungen, welche den Schüler unterfordern, werden meist nicht so ernst genommen, nicht so konzentriert gerechnet, Schlampigkeitsfehler entstehen. Um diesem Grundsatz gerecht zu werden, ist es notwendig, die Aufgaben nach Leistungsstärke der Schüler zu differenzieren, Rückmeldungen zu geben (auch zu Hausaufgaben) und Übungsfortschritte bewusst zu machen.

Selbstkontrolle
Dies gibt dem Schüler die Möglichkeit, bei falscher Lösung die Rechnung noch einmal zu probieren und sich gleich auszubessern. Die Korrektur oder der Rotstift kommt nicht gleich vom Lehrer, dies allein ist schon Motivation genug!

Gestaltung von Übungssequenzen
Nicht immer sind für die Lösung mathematischer Aufgaben und Probleme schriftliche Rechnungen nötig. Durch Mathematik, welche nur im Kopf betrieben wird, wird das Denken, die Vorstellungskraft und die Fähigkeit zur Abstraktion gefördert.
Es geht darum, gedankliche Beweglichkeit im Zahlenraum sowie bei der Anwendung von Formeln zu schaffen, und die Geläufigkeit der Grundrechenverfahren zu trainieren.

 

Klare Anweisungen geben
Selbst die best durchdachte Übung bringt wenig Erfolg, wenn die Schüler nicht wissen, was sie machen sollen.
Deshalb muss zu Beginn abgeklärt werden

  • welche Aufgaben verlangt werden
  • wie die Aufgaben gelöst werden sollen
  • ob/ wie und wo die Schüler Ergebnisse zu notieren haben
  • wie mündliche Übungen ablaufen

Störungen in der Klasse, welche durch Fehlen dieser Komponenten ausgelöst werden, können somit vermieden werden.

 


Materialien | Didaktik | Software | Service | Über uns

Autor: Bernadette Friedl   -
Zentrum für innovative Pädagogik an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz
Layout. Sabine Reindl
Letzte Aktualisierung:   17. September 2001

Pfeil.gif (954 bytes)

Anregungen, Tipps, Wünsche an zip@.padl.ac.at