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HANDELND
LERNEN MIT DEM GEOBRETT
Förderung von Raumvorstellung und Raumwahrnehmung
von
Ursula Bugram und Silvia Lukarsch
erschienen in Grundschulmagazin 3/2000
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Vorwort
Mit dem Geobrett können Schüler vielfältige Aufgabenstellungen handelnd
lösen. Die Kreativität wird gefördert. Eine genaue Bauanleitung beschreibt
die Herstellung. Die Kopiervorlagen zeigen repräsentative Aufgabenstellungen.
Bereits Radatz/Rickmeyer haben in ihrem "Handbuch für den Geometrieunterricht
an Grundschulen" wesentliche Vorteile dieses Unterrichtsmaterials zusammengefasst.
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- Beim Arbeiten mit
dem Geobrett werden enaktive und ikonische Repräsentation unmittelbar
miteinander verknüpft.
- Schülerinnen und
Schüler haben die Möglichkeit, geometrische Formen und Beziehungen selbst
zu erzeugen.
- Das Geobrett ist
nicht nur für geometrische Aufgabenstellungen geeignet. Zum Beispiel
lassen sich mit ihm Erfahrungen zu einem anschaulichen Bruchbegriff
gewinnen.
- Die Handhabung
des Geobrettes ist einfach durchzuführen. Das Material ist schnell bereitgestellt
und auch wieder schnell weggeräumt.
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Die Herstellung des Geobretts
Die Kinder sind durchaus in der Lage, ihr Geobrett selbst relativ einfach
und kostengünstig herzustellen. Die Verknüpfung der Mathematik mit dem technischen
Werken kommt den Anforderungen aus dem Bereich der Raumwahrnehmung und der
visuo-mototrischen Koordination sehr zugute.
Material
Für das Holzbrett: |
- Weiches Sperrholz
20 x 20 cm, 0,8 cm stark
- Holzschrauben 20
mm lang, 3 mm stark (Messing oder verzinkt, mit Halbrundkopf)
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| Für Plexiglasplatte: |
- Plexiglasplatte
20 x 20 cm, 0,6 cm stark (im Fachhandel zuschneiden und die Ränder abschleifen
lassen).
- Metallschrauben
20 mm lang, 4 mm stark (glanzverzinkt, versenkbar)
- dazu passende Muttern
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| Werkzeug |
- Bohrmaschine mit
Ständer
- Holzbohrer 3 mm
stark
- Universalbohrer
für das Plexiglas (4 mm stark) eventuell einen "Krauskopf" oder 8 mm-Bohrer
für die Vertiefung der Senkschrauben
- Sandpapier
- Schraubenzieher,
Schraubenschlüssel
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Arbeitsschritte
Holzbrett |
- Holz nach Maß zuschneiden
lassen
- Schnittflächen
und Ecken mit Sandpapier schleifen
- Die Punkte für
die Schrauben mithilfe eines Geodreiecks einzeichnen oder von einer
Schablone in Originalgröße übertragen
- Für die Schrauben
3 mm-Löcher vorbohren (nicht zu tief, sonst sitzen die Schrauben zu
locker) · Holzschrauben so weit eindrehen, dass sie alle gleich hoch
sind
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| Plexiglasplatte |
- Auf dem zugeschnittenen
Brett (es ist meist mit einer Schutzfolie versehen - erst vor dem Einsetzen
der Schrauben entfernen!) Punkte markieren (Folienstift) und 4 mm starke
Löcher bohren. (Unbedingt mithilfe des Lehrers!)
- An der Unterseite,
die später auf dem Overheadprojektor aufliegt, das Bohrloch mit einem
"Krauskopf" oder mit einem 8 mm-Bohrer so weit vergrößern, dass die
Schrauben versenkt werden können
- Schutzfolie entfernen,
die Schrauben einsetzen und mit Muttern befestigen
- Mit dem Schraubenschlüssel
festschrauben
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Förderung der visuellen Wahrnehmung
Visumotorische Koordination |
- Das Spannen der
Gummiringe um die Schrauben des Geobretts fördert die Koordination von
Auge und Hand.
- Die Größe des Geobrettes
ermöglicht es auch Kindern mit feinmotorischen Beeinträchtigungen zu
Lösungen zu kommen. (z. B. Spannen statt Zeichnen).
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| Figur-Grund-Wahrnehmung |
- Wird ein etwas
stärkeres Gummiband verwendet, hebt sich die Figur gut vom Hintergrund
ab.
- Flüchtigkeitsfehler
können jederzeit korrigiert werden.
- Das Material ist
übersichtlich - Ordnung zu halten ist daher gut möglich.
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| Wahrnehmungskonstanz |
- Kinder, die Schwierigkeiten
haben, Figuren von der Bildebene auf das Geobrett zu übertragen, haben
die Möglichkeit, Vorlagen unter das Plexiglas-Geobrett zu legen. Dadurch
wird der veränderten Wahrnehmung durch die Entfernung entgegengearbeitet.
- Durch die gleich
bleibende Einteilung auf dem Geobrett entstehen konstante Anordnungen,
die gespeichert werden können.
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| Wahrnehmung
der Raumlage |
- Lagebezeichnungen
wie rechts - links, oben - unten usw. können geübt werden.
- Mit Begriffen wie
um, herum, außen usw. können die Schülerinnen und Schüler versuchen
den Umfang, die Begrenzung und die Oberflächen zu umschreiben.
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| Wahrnehmung
der räumlichen Beziehung |
- Die genaue Beobachtung
und das Nachbilden von Formen oder z. B. Symmetriebildern wird gefördert.
- Jedes mathematische
Denken ist ein Denken in Räumen, daher ist die Verbindung von Geometrie
und Arithemtik eine wichtige Hilfe, flexibles Denken zu ermöglichen.
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Beispiel für den Unterricht
Arbeit mit Flächen als Vorübung zur Flächenberechnung
Mögliche Ziele für die Schülerinnen und Schüler sind: |
- Erfahrungen mit
willkürlichen Einheiten gewinnen.
- Zusammenhänge zwischen
den Einheiten erkennen und anwenden.
- Durch handlungsorientiertes
Lernen diese Erkenntnisse verstehen und in Beispielen anwenden können.
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Unterrichtsverlauf
1. Problemorientierter Einstieg
Die vier Flächen aus der Kopiervorlage 1, Zeile A werden aus Tonpapier ausgeschnitten.
Die Größe der Flächen entspricht den Maßen des Geobrettes. Die Schülerinnen
und Schüler arbeiten in Kleingruppen, jede Gruppe hat diese vier Flächen
zur Verfügung.
Die Aufgabe ist bewusst schwierig gestellt, um zu verdeutlichen, dass eine
genauere Methode zur Feststellung der Größe einer Fläche notwendig ist. |
- Ordne diese Flächen
nach der Größe, beginne mit der kleinsten.
- Kontrolliere jetzt:
Spanne die Flächen auf dem Geobrett. Jetzt kannst du die Größen der
Flächen leichter vergleichen.
- Wie bist du auf
das genaue Ergebnis gekommen? Wichtig ist in dieser Phase, dass
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- die Schülerinnen
und Schüler die Möglichkeit erhalten, notwendige Erkenntnisse handelnd
zu erfahren und dieses erworbene Wissen somit als wichtiger Eckpfeiler
in der Entwicklung der Raumvorstellung gesehen werden kann.
- anfallende Probleme und gefundene Lösungsvorschläge in der Klasse
besprochen werden. Dabei ist das Geobrett aus Plexiglas für den Overheadprojektor
eine gute Hilfe. Vor einer ganzen Schulklasse kann sehr anschaulich
gearbeitet werden.
- die Schülerinnen und Schüler Quadrat und Dreieck al angenommene
Größe zur Flächenberechnung erkennen und dass der Zusammenhang "die
Größe eines Quadrates entspricht der Größe von zwei Dreiecken" angewendet
werden kann.
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2. Selbstständige Arbeitsphase
Es werden Kärtchen mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen angeboten. Viele
Schülerinnen und Schüler werden durch Nachspannen auf dem Geobrett zu den
Ergebnissen kommen und diese dann zum Beispiel in eine Tabelle eintragen.
Bei anderen Schülerinnen und Schülern wird die Komponente der Raumdarstellung
bereits so fortgeschritten sein, dass das Geobrett kaum mehr gebraucht wird.
Der Aspekt der Differenzierung kann auf ganz einfache Weise umgesetzt werden.
Noch ein Hinweis zu einer Tabelle, die wie folgt aussehen kann (s. Abb.1):
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Abbildung 1
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Hier wird die Anzahl
der Quadrate und Dreiecke eingetragen.
Es muss aber überlegt werden, dass auch umgewandelt werden kann. Die Lehrerin
oder Lehrer sollte daher sehr fördern, dass die Schülerinnen und Schüler
je zwei Dreiecke zu einem Quadrat "umwandeln" und dies in der Tabelle vermerken.
Als Vorübung bietet sich das Arbeiten an der Tuchtafel an: Es werden z.
B. vier Quadrate und drei Dreiecke als Ergebnis einer Flächengröße festgestellt.
Durch das Ankleben der Quadrate und Rechtecke kann die Schülerin oder der
Schüler die richtigen Zusammenhänge erkennen.
Tabellen haben auch den großen Vorteil, dass erarbeitete Ergebnisse schriftlich
festgehalten werden und somit verglichen und besprochen werden können. Folgende
Aufgabenbereiche sind bei der Gestaltung der Kärtchen denkbar: |
- Bestimme die Größen
dieser Flächen und trage die Ergebnisse in die Tabelle ein (siehe Kopiervorlage
1, Zeile B).
- Spanne eine Fläche
mit der gleichen Flächengröße (siehe Kopiervorlage 1, Zeile C).
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| Wenn die Schülerin
oder der Schüler festgestellt hat, wie groß die Fläche ist, spannt er eine
Fläche derselben Größe mit einer anderen Form. Hier gibt es natürlich ganz
unterschiedliche Lösungen. Es bietet sich an, den Schülerinnen und Schülern
ein Blanko-Blatt (siehe Kopiervorlage 1, Zeile D) anzubieten. Mögliche Lösungen
werden mit Lineal und Bleistift eingetragen. |
- Führe diese Aufgaben
auf dem Geobrett aus:
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Spanne ein Dreieck,
dass nur eine Schraube einschließt (1.).
Spanne ein Quadrat, das keine Schraube einschließt (2.).
Spanne ein Rechteck, das zwei Schrauben einschließt (3.).
Spanne ein Sechseck, Fünfeck, Vieleck, ... (4.).
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Hier gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten von Lösungen, die Kontrollkarten
in der Kopiervorlage 1, Zeile E sind nur exemplarisch. Eine andere Möglichkeit
ist natürlich, dass Schülerinnen und Schüler selbstständig Aufgaben formulieren
und Lösungskarten herstellen. So kann im Laufe der Zeit eine Kartei mit
vielen Aufgaben entstehen.
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Handlungsorientiertes Erkunden der Symmetrie mit
dem Geobrett
Lernvoraussetzung ist die Auseinandersetzung mit der "Achsensymmetrie" in
Form einer Umwelterkundung. Erfahrungen mit verschiedenen Arbeitstechniken,
wie Faltschnitt, Spiegeln, Legespielen, Übungen am Gitternetz, ... haben
bereits unterschiedliche Zugänge zur Symmetrie ermöglicht. Im vierten Schuljahr
eignet sich das Geobrett für Symmetrieübungen im selbstständigen Erkunden
besonders gut.
Für einen individuellen Übungsunterricht können den Kindern Karteikästen
zu unterschiedlichen Themen (mit Kontrollkarten) angeboten werden, z. B.
Übungen, die sich nach der unterschiedlichen Lage der Spiegelachse orientieren
(s. Abb. 2).
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Abbildung 2
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Es können aber auch
symmetrische Figuren gespannt werden, an denen die Spiegelachse in Partnerarbeit
bestimmt wird. Spiegelbilder und Spiegelachse werden in unterschiedlichen
Farben gespannt. Die Kontrollbilder werden im Original ebenfalls in verschiedenen
Farben gezeichnet. Sie können auf der Rückseite der Karteikarten oder auf
eigenen Karten abgebildet werden.
Die Kopiervorlagen zeigen einige Beispiele zum Thema auf. Sie können vergrößert,
einzeln auf Karten geklebt und laminiert werden. |
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