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von
Ursula Steiner
erschienen in "Pädaktuell" Ausgabe 2/2001 |
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Im Wintersemester lernten meine Schüler bei zwei Studentinnen einige Zaubertricks, -lieder, -sprüche und das Bilderbuch "Zilly, die Zauberin" von Valerie Thomas kennen. Zwei Kinder meiner Klasse hatten auch die Möglichkeit, ihre Zauberkenntnisse im Hort zu vertiefen, da ihre Horterzieherin ebenfalls lustige Zauberkunststücke auf Lager hatte. Als dann auch noch Harry Potter, den ein Teil der Schüler durch ältere Geschwister und Freunde kannte, die Kinderherzen "verzauberte", ließ uns die Zauberei in der Klasse gar nicht mehr los. Gegen Ende des Schuljahres beschloss ich, die bereits bekannten Zaubertricks, -sprüche und -lieder nochmals aufleben zu lassen, sie zu vertiefen und durch weitere "Zaubereien" zu ergänzen. Gemeinsam planten wir eine große Zaubershow, zu der wir Eltern, Großeltern und Freunde in die Klasse einluden. Als wir im Mai die Zauberarbeit ernsthaft angingen, hatte ich bereits für einige Tricks einen passenden Zauberspruch gereimt bzw. aus Zauberbüchern herausgesucht. In zahlreichen lustigen Unterrichtsstunden und Pausen übten die Zauberlehrlinge nun diese Sprüche: |
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Zauberstab, Zylinderhut, Zaubergeister helft jetzt gut! Blitz und Donner, grelles Licht, Luftballon zerplatze nicht! |
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Den Kindern machte das Auswendiglernen der Reime große Freude und es war für mich erstaunlich, wie schnell sie sich die vielen verschiedenen Sprüche merkten. Bald entdeckten die Schüler, dass das Reimen gar nicht so schwer ist und schon hatten wir auch für die restlichen Tricks passende Sprüche parat. Besonders Spaß machten den Kindern das Reimen auch deshalb, weil natürlich Nonsenswörter, kreative Wortschöpfungen, Zungenbrecher und jeglicher Kauderwelsch erlaubt waren. So entstanden unter anderem die folgenden Zaubersprüche: |
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Krötenschleim und Pfefferschrot, die Kleidung werde grün und rot. Mulle,
schrulle, bulle, bau, Kir,
kro, kranz, |
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| Die Kinder übten
die verschiedenen Zaubersprüche mit großer Ausdauer und viel
Fleiß und bald hatten sie sich mühelos geeinigt, wer welchen
Trick bei der Zauberaufführung herzeigen sollte. Die erste Hürde
war also geschafft. Jetzt ging ich daran, mit den Kindern an der Aussprache
zu arbeiten. Der Zauberspruch sollte schließlich nicht heruntergeleiert
werden. Die Kinder übten ihren Zauberspruch mal laut und dann wieder
leise, sprachen ihn mit hoher und tiefer Stimme und versuchten, ihre Stimme
dabei geheimnisvoll klingen zu lassen. Wie sich herausstellte, war das kein
leichtes Unterfangen. So leicht der Spruch auswendig gelernt war, so schwierig
war es doch, ihn mit geheimnisvoller Stimme und zugleich langsam vorzutragen.
Die Kinder merkten auch dabei, dass es einen großen Unterschied macht, den Zauberspruch in der Pause dem Freund, oder im Gesprächskreis allen Mitschülern vorzusprechen. Bald schon kam eine bisher begeisterte Zauberfee zu mir und teilte mir mit, dass sie bei der Zaubershow doch keinen Trick vorzeigen wolle. Mir war bald klar, dass nicht die Freude an der Zauberei verlorengegangen war, sondern dass ihr einfach der Mut fehlte, ihren Zauberspruch laut und deutlich vor einer Gruppe fast fremder Personen aufzusagen. Das Mädchen ließ sich aber schnell auf einen Kompromiss ein, als ein Junge anbot, mit ihr gemeinsam den Trick vorzuführen. Auch dem Bilderbuch "Zilly, die Zauberin" wurde seitens der Kinder wieder Interesse geschenkt. Bereits im Wintersemester hatten sie auf Anregung unserer Studentinnen ein eigenes "Zilly-Buch" hergestellt. Dazu hatten sie sich verschiedenen Szenen aus dem Bilderbuch ausgesucht, diese in einer Zeichnung festgehalten und auf Kassette nacherzählt. Die Texte aus Kindermund wurden anschließend mit dem Computer getippt und unter die Kinderzeichnungen geklebt. Nachdem alle Kinder das fertige Buch einmal mit nach Hause genommen und es gemeinsam mit den Eltern durchgelesen hatten, wurde das "Zilly-Buch" in der Klassenbücherei aufbewahrt. Nach und nach nahm das Interesse ab. Nur wenn Besucher in die Klasse kamen und mit den Kindern in der Klassenbücherei schmökerten, wurde ihnen immer stolz das Klassenbilderbuch präsentiert. Einige Wochen vor der Zaubershow - wir waren schon mitten im Üben unserer Tricks - erinnerten sich die Kinder wieder an das "Zilly-Buch". Wir beschlossen, es auch unseren Besuchern zu zeigen. Christian, ein Junge aus der Klasse, der gegen Schulschluss schon sehr gut lesen konnte, traute sich nach längerem Zögern, die einzelnen Textpassagen abwechselnd mit mir vorzulesen, während jedes Kind sein gemaltes Bild dazu herzeigte. Mühelos und auf sehr motivierende Weise konnte ich mit diesem Projekt viele Lehrinhalte des Unterrichtsgegenstandes "Sprache und Sprechen" abdecken. Der Lehrplan der Vorschule fordert in diesem Bereich unter anderem: Erweiterung der Sprachfähigkeit - Hinführen zur Standardsprache |
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| Deutliches Sprechen - Artikuliertes Sprechen | ||
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| Erster Umgang mit Literatur - Zum Umgang mit Literatur motivieren | ||
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| Am 3. Juli um 18 Uhr
war es dann soweit. Viele Großeltern, Eltern, Geschwister, Tanten
und Studenten waren in die Klasse gekommen, um unsere Zaubershow zu sehen.
Die Kinder waren beim Anblick der vielen Besucher sichtlich nervös
und das Blitzlichtgewitter der elterlichen Fotoapparate tat das Übrige
dazu. Trotzdem lief fast alles wie am Schnürchen und über kleine
Hoppalas wurde lächelnd hinweggesehen. Hausgemachter Trommelwirbel,
Zauberlieder, -sprüche und -tricks zogen die Besucher in einen magischen
Bann und meine Schüler ernteten großen Applaus. Beim anschließenden
Zauberbuffet mit Zauberkuchen und grünem Krokodilstränensaft konnten
wir den Abend gemütlich ausklingen lassen. Auch unser Zilly-Buch wurde
wieder bestaunt und die Schüler waren sehr stolz auf ihr gemeinsames
Werk. Ich wiederum war sehr stolz auf meine Schüler. Sie hatten es
geschafft, laut und betont ihren Zauberspruch mit Blickkontakt zum Publikum
vorzutragen und sie hatten es sich zugetraut, alleine vor einer großen
Gruppe Erwachsener aufzutreten. Ein würdiger Abschluss eines zu Ende
gehenden Vorschuljahres! |
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